Vor fast zwei Jahren haben wir Image-Modus für Red Hat Enterprise Linux (RHEL) eingeführt, damit Kunden die Basis ihres IT-Unternehmens einfacher bereitstellen können. Seitdem habe ich von Nutzenden, die Image-Modus eingeführt haben, gehört, dass sie dies als eine grundlegende Änderung ihrer Arbeitsweise beschreiben. Es findet ein grundlegender Wandel in der Denkweise statt – von einer paketbasierten Verwaltung hin zu einer containernativen, imagebasierten Verwaltung. Und seien wir ehrlich: Solche grundlegenden Änderungen können schwierig sein. Doch die technischen und persönlichen Vorteile sind beachtlich.
Image-Modus vereinfacht einige der mühsamsten IT-Prozesse. Dies bedeutet vorhersehbare Abläufe für das Unternehmen und weniger Wartungsfenster in den frühen Morgenstunden für die Teams. Diese Vorteile sind leichter zugänglich, als Sie vielleicht denken. Falls Sie bisher gezögert haben, auf den Image-Modus zu wechseln – hier sind 4 Möglichkeiten, wie Sie schnell einen Mehrwert erzielen können:
1. Kürzere Wartungsfenster und reibungslosere Abstimmungen mit Stakeholdern
In der traditionellen paketbasierten Verwaltung sind Wartungsfenster oft lang und unvorhersehbar. Da Updates paketweise erfolgen, steigt mit der Anzahl der RPMs auch die Zahl der potenziellen Fehlerquellen. Berücksichtigt man die Anzahl der zu aktualisierenden Server, lassen sich stundenlange Ausfallzeiten kaum vermeiden – für den Fall, dass Probleme auftreten. Dies erschwert die Abstimmungen mit den Stakeholdern.
Image-Modus ändert diese Situation grundlegend. Updates werden nicht live angewendet, sondern können im Hintergrund heruntergeladen und bereitgestellt werden. Dadurch reduziert sich das Wartungsfenster auf einen einfachen, schnellen Neustart, um auf das neue Image zu wechseln.
Mit der Einführung von Soft-Reboots in RHEL 10.1 wird dieser Prozess noch schneller. Soft-Reboots ermöglichen es Ihnen, Anwendungen, Libraries und andere Userspace-Komponenten zu aktualisieren, ohne den Kernel vollständig neu zu starten. Stundenlange Ausfallzeiten verkürzen sich auf wenige Minuten für einen Neustart.
2. Geringeres Risiko durch Atomarität und sofortige Rollbacks
In einer traditionellen, paketbasierten Umgebung erfordert die Aktualisierung einer einzelnen Systemabhängigkeit (wie einer Shared Library oder eines kleinen Sicherheitspatches) häufig einen Dateisystem-Snapshot oder ein Backup. Sie ändern das Live-System direkt und hoffen, dass keine Konflikte mit bestehenden Services auftreten. Ein fehlgeschlagenes Update erfordert eine zeitaufwendige manuelle Wiederherstellung aus einem Backup. Und sorgt für mehr Ausfallzeiten.
Image-Modus für RHEL ändert diese Dynamik durch Atomarität und sofortige Rollbacks grundlegend. Anstatt einen laufenden Server zu patchen, bauen Sie die Änderung der Abhängigkeit in ein neues, versioniertes, bootfähiges Image ein. Das Update ist atomar, was bedeutet, dass das System es im Hintergrund bereitstellt und beim Neustart vollständig anwendet. Das System befindet sich nie in einem fehlerhaften, nur teilweise aktualisierten Zustand, und die Behebung von Konflikten erfolgt in Sekundenschnelle.
Image-Modus für RHEL macht Konfigurationsmanagement mit hohem Risiko zu einem risikoarmen, vertrauenswürdigen Prozess.
3. Bessere Abweichungskontrolle mit echter Nachverfolgbarkeit
Wenn es auf Ihrem Rechner funktioniert, aber nicht in der Produktion, liegt das meist an Softwareunterschieden. Entwicklungssysteme und Produktionssysteme weisen unterschiedliche Lifecycles, Use Cases, Sicherheitsansätze und – unvermeidlich – Softwareversionen auf. Im Paket-Modus ist es schwierig, Änderungen an einem Host nach Monaten oder Jahren manueller Anpassungen und Patches nachzuverfolgen.
Image-Modus für RHEL nutzt binäre Artefakte, die in einer Container Registry veröffentlicht werden. Dies schafft eine untrennbare Verbindung zwischen dem aktiven Host und der exakten Image-Version, auf der dieser basiert.
Damit können Sie jederzeit nachweisen, welcher Code auf den Servern ausgeführt wird. Eine bessere Übersicht über die Flotte erleichtert die Verfolgung inkrementeller Rollouts in der Umgebung. So sehen Sie, welche Hosts noch eine Aktualisierung auf das neueste Golden Image benötigen.
Neue reproduzierbare Builds in Red Hat Enterprise Linux 9.7 und Red Hat Enterprise Linux 10.1 sorgen dafür, dass aus identischen Inhalten erstellte Images bis auf die Metadaten identisch sind.
4. Das Design des Betriebssystems wie ein Entwicklungsteam automatisieren
Das Spannendste am Image-Modus ist, dass wir in der Systemadministration damit dieselben modernen GitOps-Tools wie die Kollegen aus der Entwicklung nutzen können. Da Builds im Image-Modus auf Container-Technologie basieren, können Sie Folgendes tun:
- Lokale Tests: Erstellen und starten Sie das Betriebssystem-Image auf Ihrem Laptop mit Podman, um Änderungen zu überprüfen, bevor sie einen Server erreichen.
- CI/CD-Integration: Automatisieren Sie Ihre Pipelines für die Entwicklung und das Testen von Betriebssystemen mit GitHub Actions, GitLab CI oder Jenkins.
- Automatisierte Wartung: Verwenden Sie Tools wie Renovate, um automatisch den Build eines neuen Betriebssystem-Images auszulösen, sobald ein Sicherheits-Patch für ein Basispaket veröffentlicht wird.
Dies verlagert den Großteil des Aufwands in die Build-Phase, in der sich Fehler kostengünstig beheben lassen, statt in die Produktionsphase, in der Fehler schwerwiegende Folgen haben.
Testen Sie Image-Modus
Der Wechsel zum Image-Modus ist mehr als nur eine neue Art der Softwareinstallation. Sie gewinnen damit Zeit zurück und reduzieren den Aufwand in der Systemadministration. Indem Sie die Arbeit auf die Build-Phase konzentrieren, tragen Sie dazu bei, dass die Produktion stabil, sicher und – was am wichtigsten ist – vorhersehbar bleibt.
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