Jeden Tag spreche ich mit IT-Führungskräften, Geschäftsführern und Partnern, die unter dem gleichen Druck stehen: Wie gelangen wir vom KI-Experiment zum echten Produktionseinsatz in Unternehmen?
Wenn Sie heute einen Blick auf die Tech-Schlagzeilen werfen, könnten Sie meinen, die Antwort sei einfach. Die Branche ist mittlerweile stark auf das Konzept der agentischen KI fokussiert – das Versprechen autonomer Software-Agenten, die komplexe Unternehmens-Workflows auf Knopfdruck ausführen. In der allgemeinen Diskussion wird KI wie eine eigenständige Zauberkiste behandelt. Kaufen Sie das passende proprietäre Modell, schließen Sie es an und erleben Sie, wie Ihre operativen Probleme verschwinden.
Aber in der Praxis haben die Führungskräfte, denen ich in unserem globalen IT-Ökosystem begegne, mit einer weitaus realitätsnäheren Situation zu tun. Sie wissen, dass die Fehlertoleranz erheblich gesunken ist, und stellen eine grundlegende Frage: Worauf bauen wir eigentlich auf? Nicht welcher Anbieter, nicht welche Cloud und gewiss nicht nur welches Modell – entscheidend ist die zugrunde liegende Basis, auf der wir schnell innovieren können, ohne das zu gefährden, was wir uns nicht leisten können zu verlieren.
In Wahrheit verlagert sich die Diskussion von der Frage „Wie groß ist Ihr Modell?“ hin zu „Wie flexibel ist Ihre Plattform?“. Während Frontier-Modelle weiterhin die Mainstream-Diskussion dominieren, orientiert sich die operative Realität nicht an diesen Giganten. Um von einer beeindruckenden Desktop-Demonstration zu einer verantwortlichen Unternehmensressource zu gelangen, dürfen wir KI nicht mehr als zentralisierten Monolithen betrachten. Stattdessen müssen wir erkennen: Die Zukunft von Unternehmens-KI liegt nicht in der Größe, sondern in der Wahlfreiheit.
Der Mythos vom Einheitsmodell
Die überstürzte Einführung riesiger, proprietärer Frontier KI-Modelle hat ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugt. Diese LLMs (Large Language Models) sind jedoch für die alltäglichen Aufgaben eines Unternehmens oft überdimensioniert und treiben die Kosten in die Höhe, während Sie gleichzeitig an die Roadmap eines einzigen Anbieters gebunden sind.
Ein echter Unternehmenswert entsteht nicht durch einen einzigen Anbieter. So wie es keine einzelne Umgebung für die Unternehmens-IT gibt, besteht die Zukunft der Unternehmens-KI aus einer Mischung aus proprietären, Open Source- und hochgradig domänenspezifischen Modellen. Kleinere Open Source-Modelle eignen sich ideal für die Lösung spezialisierter Nischenprobleme, bei denen die Leistungsfähigkeit und Skalierbarkeit eines Frontier-Modells ungenutzt bliebe.
Für Branchen mit hoher Verantwortung wie das Finanzwesen, das Gesundheitswesen und die Automobilindustrie ist es nicht nur ein Geschäftsrisiko, sondern unmöglich, sich blind auf externe Anbieter von Closed Source-Technologie zu verlassen. Durch den internen Betrieb kleinerer Open Source-Modelle „as a Service“ können Unternehmen ein Fine Tuning mit ihren proprietären Daten durchführen, die Performance maximieren und das Risiko von Datenlecks erheblich minimieren. Der Kontext ist entscheidend. Um Ihre Investitionen zu optimieren, muss das KI-Modell auf Ihren spezifischen Use Case abgestimmt sein, nicht umgekehrt.
Software von der Hardware entkoppeln
Wenn ich mir die IT-Landschaft in Unternehmen ansehe, ist die größte Hürde für die Skalierung von KI nicht der Code oder die Leistungsfähigkeit des Modells selbst. Es sind die Beschränkungen der zugrunde liegenden Infrastruktur.
Aktuell erfordert Computing eine Demokratisierung. Unternehmens-KI darf nicht von der GPU-Verfügbarkeit oder einzelnen Chip-Anbietern abhängig sein. Wenn Ihre gesamte Automatisierungsstrategie an eine einzige Hardwarearchitektur gebunden ist, sind Sie erheblichen Risiken in der Lieferkette und explodierenden Kosten ausgesetzt.
Um den Weg in die Produktion zu ebnen, müssen wir die KI-Plattform von einzelnen Hardwarefamilien entkoppeln. Auswahl bei KI bedeutet eine zugrunde liegende Plattform, die von einem breiten Hardware-Ökosystem unterstützt wird – unter Einbeziehung großer Anbieter sowie spezialisierter Architekturen. Ihre Infrastruktur muss eine konsistente Abstraktionsschicht sein. Ob Ihre Workloads Edge-Beschleuniger in einer Fertigungshalle oder leistungsstarke Rechenzentren erfordern – eine einheitliche Plattform ermöglicht es Ihnen, Workloads je nach geschäftlichen Anforderungen nahtlos zwischen Modellen und Hardware zu verschieben.
Kontrolle ist die neue Währung
Da sich Automatisierung immer tiefer in zentrale Workflows integriert, erkennen Unternehmen eine entscheidende Herausforderung: digitale Autonomie. Kontrolle stellt in der modernen IT eine maßgebliche Währung dar, und KI muss genau diesen Weg einschlagen.
Souveränität hat sich von einer bloßen regulatorischen Formalität zu einer entscheidenden geschäftlichen Priorität entwickelt, um die Kontrolle über Ihre Technologie-Lieferkette, Ihre Abläufe und Ihr geistiges Eigentum zu behalten. Ihre Daten sind von Natur aus verteilt und befinden sich On-Premises, in mehreren Public Clouds oder am Edge. Daher müssen Ihre KI-Workloads möglichst nah am Entstehungsort der Daten verbleiben.
Wenn Sie die Plattform nicht kontrollieren, auf der Ihre KI trainiert, optimiert und bereitgestellt wird, kontrollieren Sie auch Ihr Unternehmen nicht. Aus diesem Grund erfordert eine souveräne KI-Strategie regionale und länderspezifische Grenzen für die Datenaufnahme und das Training. Durch die Verankerung Ihrer Strategie in einer offenen Plattform gewinnen Sie die Auditierbarkeit, Transparenz und Freiheit, Code zu prüfen und zu ändern. So erfüllen Sie Ihre spezifischen operativen Anforderungen – und nicht die Ihres Anbieters.
Die Basis für kommende Entwicklungen
Wir müssen den Fokus weg vom Hype um Frontier-Modelle lenken und uns stattdessen darauf konzentrieren, was den geschäftlichen und operativen Erfolg tatsächlich fördert.
In der kommenden Ära der Automatisierung werden nicht diejenigen Unternehmen erfolgreich sein, die nach einer einzelnen, proprietären Universallösung suchen. Gewinnen werden die Unternehmen, die eine vertrauenswürdige, flexible Basis für mehr Wahlfreiheit schaffen. Diese ermöglicht es ihnen, das passende Modell auf der richtigen Hardware am optimalen Standort auszuführen. Indem wir auf Geschwindigkeit, Offenheit und Plattformflexibilität setzen, lösen wir nicht nur die heutige Komplexität. Wir schaffen die Freiheit, künftige Durchbrüche flexibel anzupassen, neu zu erfinden und zu skalieren.
Über den Autor
Andrew Brown is Senior Vice President and Chief Revenue Officer for Red Hat. His focus is on empowering businesses to build flexible, cross-platform IT infrastructure solutions using open source solutions. He is responsible for commercial and public sector sales, channel and alliances sales, and consulting and training services. He leads the company’s global go-to-market strategy, as well as revenue growth for Red Hat's products, services, and solutions in more than 40 countries.
A software industry veteran, Brown arrived at Red Hat in 2023 with more than 28 years experience in hybrid cloud and transformational technology. He began his career at IBM as an intern and held various positions working out of the UK, Japan and Canada. Most recently served as General Manager, Technology Group, IBM United Kingdom & Ireland, where he drove the business strategy, sales and marketing, and overall financial performance for Software & Cloud in EMEA.
His passion lies in delivering superior customer experiences and success through trusted advisor relationships. On a personal front, he is a Foundation of Hearts board member, supporting Heart of Midlothian football club, the UKs largest professional fan owned club in the UK, and the community it serves.
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