Digitale Souveränität ist kein neues Thema, aber die jüngsten Ereignisse auf der Weltbühne haben dazu geführt, dass sie sowohl in Vorstandsetagen als auch bei staatlichen Prioritäten ganz oben auf der Tagesordnung steht. Laut einer BARC-Studie aus dem Jahr 2025 betrachten 84 % der befragten Unternehmen Datensouveränität als einen zentralen Punkt ihrer Strategie, und 70 % geben an, dass ihre Relevanz in den letzten 1 bis 2 Jahren deutlich zugenommen hat. Das Analysehaus Gartner prognostiziert, dass der Markt für Infrastructure as a Service (IaaS) für souveräne Clouds im Jahr 2028 einen Wert von 169 Milliarden USD erreichen wird, gegenüber 37 Milliarden USD im letzten Jahr.

Verschiedene Länder und Organisationen verfolgen unterschiedliche Ansätze für digitale und Cloud-Souveränität. Einige warten vorsichtig ab, wie sich die Dinge entwickeln, andere handeln schnell. Obwohl nach wie vor eine gewisse Unsicherheit darüber besteht, wie digitale und Cloud-Souveränität genau aussehen, sind sich die meisten Branchenbeobachter einig, dass sie eher eine Notwendigkeit als ein wünschenswertes Extra sein wird. Um ein umfassenderes Bild der digitalen Souveränität zu erhalten, haben wir uns mit den Länder- und Regionalleitern von Red Hat in ganz Europa ausgetauscht, um die Lage in den lokalen Märkten zu verstehen.

Gregor von Jagow, Country Manager, Deutschland: „Wir sehen eine Nachfrage in allen Sektoren.“

Deutschland misst der digitalen Souveränität seit langem Priorität bei, was zum Teil auf die vorsichtige Natur seiner Unternehmen zurückzuführen ist. Angesichts der geopolitischen Spannungen und der Marktkonsolidierung spielen lokale Cloud-Anbieter eine entscheidende Rolle. Wir arbeiten mit lokalen Anbietern wie IONOS und StackIT (einem Tochterunternehmen der Schwarz Gruppe) zusammen, die die Diskussion über Souveränität in Deutschland vorantreiben. Diese Anbieter sind oft optimal positioniert, um das Maß an Kontrolle und die Einhaltung lokaler Vorschriften zu gewährleisten, die souveräne Cloud-Lösungen für Kunden auszeichnen.

Wir sehen eine Nachfrage in allen Branchen, nicht nur im öffentlichen Sektor. Finanzdienstleister, mittelständische Unternehmen – alle evaluieren, wo sie Workloads sicherer platzieren können. Nicht alles erfordert eine souveräne Cloud, aber für kritische Daten wenden sich Unternehmen an vertrauenswürdige lokale Anbieter.

Open Source ist ein Game Changer für Souveränität, da es Transparenz, Flexibilität, Reversibilität und Kontrolle über Daten bietet, was in Bereichen wie KI, in denen Modelle oft eine Blackbox sind, von entscheidender Bedeutung ist. Der Hybrid Cloud-Ansatz von Red Hat schlägt eine Brücke zwischen On-Premise-, Public Cloud- und lokalen Anbietern und unterstützt Kunden dabei, Workloads dort bereitzustellen, wo es im Hinblick auf Compliance, Kosten oder Souveränität am sinnvollsten ist.

Rune Stenbaek, Country Manager, Dänemark: „Open Source ist der Weg in die Zukunft“

Unser Minister für Digitalisierung in Dänemark hat erklärt, dass alles europäisch oder so national wie möglich sein muss, und sich für Open Source ausgesprochen. Die Hybrid Cloud-Umgebung unterstützt Souveränität in hohem Maße. Es geht um die Flexibilität, Daten zu verschieben, und die Option, die Open Source auf unterstützte Weise mit einer stärkeren Sicherheitsbasis bietet.

Beim Streben Dänemarks nach nationalen Lösungen ist ein wichtiger Aspekt zu berücksichtigen: Auch wenn Open Source befürwortet wird, muss das erhebliche operative Engagement berücksichtigt werden. Das ist die Stärke von Red Hat, da wir Open Source-Innovation mit unternehmensfähiger Stabilität verbinden. Die dänische Denkweise bevorzugt lokale Kontrolle, aber man erkennt, dass selbst nationale Lösungen Support auf globaler Ebene benötigen. Unser hybrider Ansatz ermöglicht es ihnen, Daten und Abläufe lokal zu verankern und sie gleichzeitig mit einem weltweiten Open Source-Ökosystem zu verbinden. Dies unterstreicht, dass nationale Kontrolle zwar wichtig ist, die wahre Stärke von Open Source aber in seiner globalen, kollaborativen Basis liegt. 

Die Open Source-Lösungen von Red Hat für Unternehmen sind eine robuste Basis für Souveränität. Wenn ein Unternehmen Red Hat einsetzt, erhält es nicht nur Code, sondern auch Bugfixes und Schwachstellen-Patches, die von Millionen von Entwicklern weltweit getestet wurden. Proprietäre Anbieter können diese umfassende Prüfung nicht bieten. Dieser geopolitische Moment ist keine vorübergehende Erscheinung, sondern der Wendepunkt, an dem Open Source zum Standard für souveräne Infrastruktur wird und nicht nur eine Alternative darstellt.

Remy Mandon, Country Manager, Frankreich: „Kunden wenden sich von proprietären Bindungen ab“

Bedeutende globale Ereignisse haben die Notwendigkeit digitaler Souveränität und Eigenständigkeit unterstrichen. Was einst ein allmählicher Fortschritt bei Souveränitätsinitiativen war, hat sich plötzlich zu dringendem Handeln beschleunigt. Frankreich wartet jedoch nicht auf einen EU-Konsens. Die Regierung bietet über ANSSI (die französische Nationale Agentur für Informationssystemsicherheit) ein anerkanntes Label an und setzt sich dafür ein, dass dies zur europäischen „EUCS High+“-Qualifikation wird. 

Wir arbeiten mit mehreren regionalen Cloud-Anbietern zusammen, wie beispielsweise Cloud Temple, die bereits SecNumCloud- und BSI C-5-qualifiziert sind. Kunden können sich heute für diese Anbieter entscheiden, auf die Zertifizierung von Thales/S3NS warten oder aus mehreren Anbietern wählen. Das ist die Flexibilität, die Red Hat bietet. Unabhängig vom Anbieter handelt es sich um denselben OpenShift-Code, dieselbe Konsole und IT-Teams nutzen dieselben Kompetenzen. Wenn Kunden ihre Subskription bei Red Hat kündigen, haben sie das Recht, den installierten Code weiterhin auszuführen, jedoch ohne die Subskriptionsvorteile von Support, Sicherheitsüberprüfungen und mehr. Mit proprietären Lizenzen kann der Zugriff vollständig verloren gehen.

Natürlich benötigen nicht alle Workload-Typen oder -Level SecNumCloud – und genau hier zeigt sich die Stärke unseres hybriden Ansatzes. Banken können ihr Kernbankgeschäft in zertifizierten Clouds betreiben und Marketing-Websites in der öffentlichen Infrastruktur belassen. Entscheidend ist die Freiheit, beliebige Workloads und Algorithmen ausführen zu können, sowie die architektonische Freiheit. Souveränität ist keine Alles-oder-Nichts-Frage, sondern eine Frage der intelligenten Platzierung von Workloads.

Jo Hodgson, Regional Leader, Vereinigtes Königreich und Irland: „Partner sind der Schlüssel“

Es gibt keine einheitliche Definition von digitaler Souveränität im Vereinigten Königreich im Vergleich zu Frankreich oder den nordischen Ländern, wo die Regierungen verbindlichere Vorgaben machen. Hier evaluieren die Unternehmen. Sie wünschen sich Souveränitätszusicherungen, überarbeiten ihre Systeme aber noch nicht. Unsere Regierung hat sich noch nicht entscheidend positioniert, aber die Frage hat sich weiterentwickelt. Es geht nicht mehr nur um die Frage: „Befinden sich meine Daten im Vereinigten Königreich?“ Vielmehr lautet die Frage: „Wem gehört der Stack, auf dem sie ausgeführt werden?“ Proprietäre Cloud-Angebote lösen diese Spannung nicht vollständig. Hier kommen Open Source und lokale Partner ins Spiel.

CEOs fragen ihre Teams: „Wie behalten wir die Kontrolle über unsere Daten und Abläufe?“ Es geht nicht mehr nur darum, wo sich Daten physisch befinden, sondern darum, wer die zugrunde liegende Infrastruktur kontrolliert – es geht um digitale Souveränität. Open Source und Hybrid Cloud ermöglichen uns hier Flexibilität, da es keine Einheitslösung gibt.

Da digitale Souveränität für verschiedene Branchen unterschiedliche Bedeutungen hat, ist es unsere Aufgabe, zu erläutern, wie Open Source und Hybrid Cloud diese unterschiedlichen Aspekte berücksichtigen. Wenn wir beispielsweise einem Finanzinstitut ermöglichen, durch Open Source-Lösungen eine robuste Datenresidenz und operative Kontrolle zu erreichen, kann dies einen wichtigen Schritt in Richtung seiner Souveränitätsziele darstellen und gleichzeitig die Grundlage für zukünftige Innovationen wie KI schaffen. Um Kunden bei der Navigation in diesen komplexen und differenzierten Diskussionen zu unterstützen, investieren wir in spezielle Expertise und Ressourcen.

Leonard Bodmer, Regional Leader, Westeuropa: „Kontrolle ist von größter Bedeutung“

Die geopolitischen Veränderungen, die wir in letzter Zeit erlebt haben, haben die Bedenken hinsichtlich der Souveränität dramatisch beschleunigt. Führende Unternehmen bei der Einführung von Cloud müssen plötzlich überdenken, wie sie mit ihren Daten umgehen. Souveränität ist nicht mehr nur theoretisch, sondern eine Frage des operativen Überlebens.

In der Schweiz ist Souveränität nichts Neues, sie liegt in unserer DNA. Wir wahren seit Jahrhunderten unsere Unabhängigkeit, und das gilt auch für unsere digitale Infrastruktur. Was sich jedoch geändert hat, ist die Erkenntnis, dass selbst traditionell neutrale Länder technologische Abhängigkeiten nicht als selbstverständlich betrachten können. Unsere Herausforderung besteht nun darin, diese historische Souveränitätsmentalität auf moderne Cloud-Umgebungen anzuwenden.

Red Hat ist die Brücke für Unternehmen zum globalen Open Source-Ökosystem. Unser Engineering-Hub in Tschechien und unsere weltweiten Teams bündeln Community-Innovationen in unterstützten Lösungen, ohne Kunden an den Technologie-Stack einer einzelnen Region zu binden. Deshalb vertraut uns eine Schweizer Bank genauso wie ein deutscher Hersteller.

Open Source ist der Dreh- und Angelpunkt für Souveränität. Im Gegensatz zu proprietärer Software, die nicht mehr verfügbar ist, wenn Sie die Zahlungen einstellen, bleiben unsere Technologien nutzbar, da der Code für jeden Kunden vollständig verfügbar ist. Die Risiken der Globalisierung überwiegen mittlerweile die Kostenvorteile für kritische Infrastrukturen. Entscheidend ist jedoch, dass Open Source die Ausnahme bleibt – die eine globale Zusammenarbeit, die wir schützen. Denn bei echter Souveränität geht es nicht um Isolation, sondern darum, in einer vernetzten Welt Wahlmöglichkeiten zu haben.

Es gibt keine Einheitslösung – Flexibilität ist wichtig

Während sich digitale Souveränität vom Wunsch zur Notwendigkeit entwickelt, kristallisiert sich eine Wahrheit heraus: Es gibt keine Universallösung. Vom kollaborativen Modell Deutschlands bis zu Frankreichs kompromisslosen SecNumCloud-Standards schreibt jede Nation ihr eigenes Drehbuch, aber es gibt in ganz Europa ein starkes Bestreben nach einem gewissen Grad an Standardisierung.  Was den Kontinent vereint, ist die Erkenntnis, dass es bei Souveränität nicht nur um den Standort der Daten geht, sondern um Kontrolle, Wahlfreiheit und Kontinuität.

Open Source und Hybrid Cloud erweisen sich als die großen Wegbereiter dieses Wandels und bieten die Flexibilität, unterschiedliche regulatorische Anforderungen zu erfüllen, ohne dass die Innovation darunter leidet. Unabhängig davon, ob Organisationen jetzt handeln oder auf klarere Signale warten, eines ist sicher: Souveränität ist kein „Nice-to-have“ mehr. Mit einer bedeutenden Präsenz in allen wichtigen Märkten ist Red Hat am Puls der Zeit und unterstützt Kunden bei der Navigation in dieser komplexen Landschaft – mit offenen Technologien, die ihnen die Kontrolle geben.


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