Europa befindet sich an einem entscheidenden digitalen Wendepunkt. Während die EU-Kommission die European Open Digital Ecosystem Strategy ausarbeitet, hat sich die Diskussion auf ein wichtiges Ziel verlagert: echte digitale Souveränität zu erreichen und gleichzeitig die globale Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.
Seit Jahrzehnten katalysiert Red Hat die Einführung von Open Source in der Europäischen Union. Wir befürworten EU-Richtlinien, die standardmäßig offen sind, weil sie dazu beitragen, das Potenzial Europas auszuschöpfen. Von der Verbesserung öffentlicher Dienste für Bürgerinnen und Bürger mit dem València City Council und ITZBund bis hin zur Modernisierung der IT für große europäische Unternehmen wie BBVA, Volkswagen und Airbus bleibt unser Ziel unverändert: die Förderung von offener, grenzenloser Innovation.
Souveränität durch Kontrolle und Transparenz neu definieren
In unserer formalen Antwort auf die Aufforderung der EU zur Stellungnahme verteidigen wir die Kerngedanken von Open Source. Echte digitale Souveränität definiert sich nicht durch den Hauptsitz eines Anbieters, unabhängig von der Region oder dem Land. In der Tat besteht die Gefahr, dass eine reine Symbolmaßnahme innerhalb einer globalen Community den zugrunde liegenden zentralen Fakt der Souveränität verschleiert: Dass eine Organisation die Kontrolle über ihre eigene digitale Infrastruktur, Daten und Technologie ausüben kann. Damit positioniert sich Open Source als Fundament der Souveränität, indem es durch offene Standards einen klaren Ausstiegspfad bietet und europäische Entitäten vor den Einschränkungen eines einzigen proprietären Stacks schützt. Dank dieser Transparenz ist sie gut für kritische Infrastrukturen geeignet.
Globale Gemeingüter statt geografischer Silos
Open Source ist per Definition ein globales digitales Gemeingut (Commons), das die Inklusivität von Ideen und Meritokratie zelebriert. Es hält sich nicht an nationale Grenzen. Geografische Beschränkungen stehen per Definition im Konflikt zu allen Open Source-Lizenzen, einschließlich etablierter Lizenzen wie GPL oder Apache, und ignorieren die Realität globaler Innovation. Open Source-Innovation ist eine kollektive globale Leistung, bei der die besten Ideen aus der ganzen Welt kommen.
Die Aussicht, Code auf geografische Herkunft zu beschränken, würde die global wettbewerbsfähigen europäischen Integratoren und Hersteller dazu zwingen, Projekte aufzuspalten oder Projekte verschwenderisch neu zu erfinden, bei denen die ursprüngliche Lizenz die Auferlegung nachgelagerter geografischer Beschränkungen verbietet, wie im Fall der GPL. Wie kürzlich beim EU Open Source Policy Summit (30. Januar) festgestellt wurde, würde eine „Made in“-Mentalität für Open Source zu unnötigen technischen Schulden führen und die Verbindungen zu einem globalen Innovationsnetzwerk abbrechen. Wie unsere europäischen Kunden setzen wir uns auch für ein „Contributed by“-Modell ein, das diejenigen belohnt, die aktive Beiträge leisten und die globalen Projekte unterstützen, auf die wir uns verlassen.
Beiträge statt Kosten bei der Beschaffung priorisieren
Veraltete Frameworks für die Beschaffung stellen nach wie vor ein großes Hindernis für die europäische Souveränität dar. Viele Führungskräfte im öffentlichen Sektor betrachten Software immer noch als einmaligen Kauf von Code und nicht als eine langfristige Subskription für Sicherheitshärtung, Wartung und Support.
Europa muss sich vom Paradigma der niedrigsten Kosten lösen und das beste Preis-Leistungs-Verhältnis (BPQR) anstreben. Diese Qualitätsmetrik muss den Upstream-Beitrag explizit einbeziehen. Indem die EU Anbieter priorisiert, die zur digitalen Gemeinschaft beitragen, kann sie durch kollektive Auditierbarkeit eine resilientere Infrastruktur unterstützen. Wir empfehlen außerdem klare Richtlinien, um Open Source-Beiträge von Beschäftigten im öffentlichen Dienst zu fördern, die keine persönliche Haftung nach sich ziehen.
Demokratisieren der KI-Inferenz
Der bevorstehende EU Cloud and AI Development Act (CAIDA) bietet eine besondere Gelegenheit, den Erfolg von Linux in der KI-Landschaft zu wiederholen. Die Zukunft der europäischen KI liegt in der Demokratisierung der Inferenz, die durch einen „Open Source-First“-Ansatz ermöglicht wird, der diese außergewöhnliche globale Gemeinschaft besser versteht und fördert.
Red Hat ermöglicht es beispielsweise europäischen Organisationen, selbst gehostete Modelle in beliebigen Hardware- oder Cloud-Umgebungen auszuführen. Durch unsere Beiträge zu Open Source-Projekten wie vLLM und Ilm-d bieten wir die Geschwindigkeit und Orchestrierung, die für die lokale Ausführung dieser Modelle in großem Umfang erforderlich sind. Dieser Ansatz macht hochleistungsfähige KI wirtschaftlich sinnvoll, ohne sensible Bürgerdaten an proprietäre Clouds von Drittanbietern zu senden, und ermöglicht so die Compliance mit EU-Vorschriften.
Für Red Hat, als weltweit führendes Open Source-Unternehmen, war die Compliance mit lokalen Vorschriften wie GDPR und CRA in der Europäischen Union schon immer eine zentrale Säule sowohl der Geschäftstätigkeit als auch der Integration der EU-Werte, die in vielerlei Hinsicht die vier Freiheiten widerspiegeln, auf denen die Open Source Community basiert.
Open Source ist ein Gateway zur globalen Innovation und keine isolierte Lösung. Indem sie sich auf Transparenz, Upstream-Beiträge und offene Standards konzentriert, kann die EU ein Ökosystem aufbauen, das sowohl weltweit wettbewerbsfähig als auch wirklich souverän ist.
Lesen Sie die vollständige Antwort von Red Hat auf der Feedback-Plattform der EU.
Über den Autor
James Lovegrove is Public Policy Director for EMEA and APAC at Red Hat. James works at the public policy intersection of open source, AI, cybersecurity and digital sovereignty. With over 25 years of experience spanning technology, law, and government engagement, James advises policymakers, upstream community organisations and industry leaders on how future regulation impacts open source and the broader open innovation ecosystem. James co-leads Red Hat’s legal/policy activity on global sovereignty work and co-chairs the EMEA public sector team.
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